Una macchina mangiasoldi mascherata da religione: Scientology (articolo in lingua tedesca)

23 Aprile 2015

Scientology und die Spaghetti-Monster

Von Claude Cueni

Eine Geldmaschine, die sich als Religionsgemeinschaft maskiert. Über die billigen Maschen, die Scientology so erfolgreich machen.

Hinter dem Scientology-Kreuz von Gründer Ron Hubbard steckt ein Schneeballsystem.

Am Samstag, 25. April, eröffnet Scientology in Basel den ersten «Idealen Org» der Schweiz. Was ist das? Gemäss Sektengründer L. Ron Hubbard ist das der Ort, «an dem eine neue Zivilisation für diesen Planeten geschaffen wird». Nebst dem Humorfestival Arosa hat die Schweiz nun auch ein internationales Zentrum für Realsatire. Ron Hubbard hat als Autor über 200 Science-Fiction- und Schund romane geschrieben, ein Gerät er funden, das die Schmerzen einer Tomate beim Aufschneiden misst, und 1954 die Sekte Scientology gegründet, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, verzweifelte Menschen aus den Stromschnellen des Lebens zu retten und mit Kursen den «Weg zum Glücklichsein» aufzuzeigen.

Obwohl Ron Hubbard den Hilflosen «völlige spirituelle Freiheit und Wahrheit» versprach, wurde er 1974 in Frankreich wegen Betrugs zu vier 
Jahren Gefängnis verurteilt. Sein Sohn gestand 1982 in einer eidesstattlichen Erklärung vor dem Distriktgericht von Massachusetts: Mein Vater ist ein Betrüger und war immer ein Betrüger. Der religiöse Aspekt der Sekte sei nur erfunden worden, um Steuervorteile zu erlangen und sich vor Betrugsklagen zu schützen.

Kontrolle als Ziel

Aber worin besteht die Lehre von Ron Hubbard? Sie liest sich wie ein Episodenplot aus seiner Science-Fiction-Serie «Battlefield Earth. A Saga of the Year 3000». Das Ziel ist, ganz unbescheiden, «die Übernahme und Kontrolle aller Aktivitäten in der Welt»; das Ziel ist, den Planet zu säubern (clear). Ron Hubbard, ein Liebhaber von schwarzer Magie und US-Navy-Uniformen, kreierte ein Patchwork an totalitären Ideologien, zubereitet mit einer Prise Reinkarnationstheologie, mariniert mit ein bisschen Versandhauspsychologie, garniert mit ein paar Comic-Sprechblasen und aufgekocht nach den modernsten PR- und Marketingstrategien. Scientology hatte keinen Gott, Hubbard war der Gott seiner «Pulp Fiction»-Welt. Das von ihm überlieferte Credo war stets: «Make money, make more money.»

Wie kann man damit Geld ver dienen? In der Welt der Mobile Games ist das Freemium-Geschäftsmodell ein Milliardengeschäft. Man kann kostenlos eine Aufbausimulation down loaden, Dörfer und Werkstätten er richten und nach jedem zivilisatorischen Fortschritt schmeichelhaftes Lob ernten. Bis die virtuellen Ressourcen versiegt sind. Dann ziehen dunkle Wolken über den Monitor. Vom Spielfieber getrieben, zückt man die Kreditkarte und kauft mit richtigem Geld virtuelle Rohstoffe, um in der virtuellen Welt die nächste Zivilisationsstufe zu erreichen. Dieses Freemium-Modell verfolgt auch Scientology.

Die bevorzugte Kundschaft sind Pubertierende, die vom hormonellen Tsunami, zwischen trüber Melancholie und todesmutigem Risiko, orientierungslos zwischen Jugend und Adoleszenz floaten; potenzielle Opfer sind generell Menschen in einer Krisen situation. Scientology empfängt sie mit offenen Armen. Scientology verspricht «geheimes Wissen», «die Lösung aller Probleme, Unsterblichkeit».

16 Kurse zur Unsterblichkeit

Lohnt es sich dafür nicht, einen kleinen Kurs zu besuchen? Für die Unsterblichkeit braucht es anschliessend noch 16 weitere Kurse, um die spirituelle Auszeichnung «Clear» zu erreichen. «Clear» bezieht sich jedoch eher auf den Zustand des Bankkontos. Rund 200’000 Franken hat man mittlerweile aus gegeben. Aber als Unsterblicher hat man ja genug Zeit, dieses Geld zu verdienen und noch mehr zu spenden. Will man im Comic-Universum der gottlosen Sekte einen höheren Rang erreichen, sind bewusstseinserweiternde Kurse hilfreich. Den «O.T.3-4-Kurs» gibt es bereits für 17’000 Franken, «O.T.5-7» für 25’000 Franken etc., bis auch das Geld der mittlerweile aufgelösten ­Pensionskasse verbraucht ist.

Unsterblich ist man dann immer noch nicht, aber schwer abhängig von der Sekte, die einen mittlerweile genötigt hat, sämtliche Kontakte zu Familie und Freunden abzubrechen. «Man wird in eine Parallelwelt hineingezogen», erklärt der langjährige Sektenexperte Hugo Stamm, «von der übrigen Welt abgetrennt, vom bisherigen Bekanntenkreis abgeschnitten und einer sanften Gehirnwäsche unterzogen.» Jetzt glaubt man erst recht, dass man mit weiteren Kursen auf das geniale Potenzial zurückgreifen kann, das Scientology während den zahlreichen Psycho-Verhören (Audits) erkannt hat. Egal, ob man auf der Pferderennbahn steht, vor dem Slotautomaten im Casino oder vor dem nächsten Scientology-Kurs – die Hoffnung stirbt zuletzt. Der Freemium-Effekt hat eingesetzt, man will die nächste spirituelle Stufe erklimmen, und dafür schenkt man gerne das mühsam Ersparte dem «Master», der ewiges Glück verspricht.

Schwierig wird es schliesslich, wenn man nach Jahren die Mitteilung erhält, dass nun sämtliche Kurse abgelaufen sind. Wie Mandarinenjoghurts haben offenbar auch Scientology-Kurse ein Verfalldatum. Jetzt muss alles wiederholt werden und erneut bezahlt werden. Aber wie soll das gehen?

Staat im Staat

Das war der Moment, als Josef Mrkos (67), ein Schweizer Scientologe der ersten Stunde und Gründer der Filiale Basel, nach 42 Jahren Mitgliedschaft das Handtuch warf und die Sekte verliess. Er hatte mittlerweile 1,5 Millionen Franken einbezahlt: «Scientology ist zur kommerziellen Geldmaschine verkommen.» In einem Fernsehinterview bezeichnet er die Sekte als «gefährliche Psycho-Terrorgruppe, ein Staat im Staat».

Natürlich bestreiten die Sektensprecher diese «rufschädigenden Äusserungen», obwohl mittlerweile Tausende von Ex-Scientologen identische Aus sagen in Büchern, Dokumentarfilmen, Talkshows und Foren gemacht haben. Stets lächeln die ­Scientologen leicht entrückt in die Kamera, als hätten sie das in ihrer Comic-Bibel versprochene «brüderliche Verhältnis mit dem Universum» bereits erreicht.

Teure Plaketten und Lorbeerkranz

Scientology ist keine Religion. 
Sektenexperte Hugo Stamm: «Es geht nur um Geld. Es geht um Macht und um Geld. Es ist wirklich nichts anderes als eine Geldsekte, sie hat kein anderes Ziel, als den Leuten etwas vorzu gaukeln, was sie erreichen können, und letztlich werden die Leute abgezockt bis auf die Unterhosen.» Scientology ist auch keine Kirche. Kann man sich einen Pfarrer vorstellen, der auf der Strasse Passanten zu teuren Religionskursen oder Spenden über reden will und sie beteiligt, falls sie ihm weitere Kunden bringen?

Bei Scientology erhalten Spender originelle Plaketten: Zum Schnäppchenpreis von 40’000 Franken erhält man den «Patron», 100’000 Franken kostet «Patron with Honors», es gibt zwei Dutzend Spenderstufen bis hin zum «Diamant Meritorious» für fünf Millionen Dollar, aber dafür gibts 
kostenlos noch den Lorbeerkranz. Da können Serviceclubs wie Rotary oder Lions nur noch vor Neid erblassen. In der realen Welt erntet man mit solchen Auszeichnungen nur Gelächter, also bleibt man am besten unter sich. «Den Wahn erkennt natürlich niemals, wer ihn selbst noch teilt», schrieb Sigmund Freud über die «Umbildung der Wirklichkeit».

Häufig vor Gericht

Das Time Magazine publizierte 1991 eine Scientology-Titelgeschichte, «Kult der Habgier», und bezeichnete darin Scientology als «eine riesige, gewinnbringende globale Gaunerei, die durch Einschüchterung ihrer Mitglieder und Kritiker in Mafia-Manier überlebt». Scientology verklagte das Magazin. Und verlor. In Frankreich wurde Scientology wegen «organisierten Betrugs» zu insgesamt 600’000 Euro Geldstrafe ver urteilt. In einigen Bundesländern wird Scientology als «verfassungsfeindliche Organisation» eingestuft und vom Verfassungsschutz observiert, weil sie «antidemokratische Ziele» verfolge und «eine gesellschaftlich-politische Ordnung» anstrebe, in der «elementare Grundrechte nicht garantiert» sind.

Auch im Universum des Milliardenkonzerns (die Hälfte in Immobilien) gibt es mittlerweile schwarze Löcher, in denen immer mehr Mitglieder verschwinden und Neukunden ausbleiben. Grund ist der Wissenstransfer über das Internet und die zunehmende Konkurrenz auf dem pseudoreligiösen Markt. Mittlerweile gibt es sogar die Religion der «Fliegenden Spaghetti-Monster», eine Gründung des US-amerikanischen Physikers und Parodisten Bobby Henderson. Er und seine atheistischen ­Brüder huldigen dem Spaghetti-Gott. Das Abendmahl gibts in jeder guten Pizzeria. Kostenpunkt circa 25 Franken.

Claude Cueni

 

FONTE: Basler Zeitung

http://bazonline.ch/panorama/Scientology-und-die-SpaghettiMonster/story/17935708

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